Nachhaltigkeit
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Jetzt nehmt doch endlich so ein verdammtes Telefonbuch!

in Plastik eingeschweißte Telefonbücher

… scheint sich der hiesige Telefonbuchverlag zu denken. Zu Zeiten, als es nur Festnetztelefone und ein Telefonmonopol mit einem einzigen Anbieter gab; als jedes Ortsgespräch kostete und eine Fernbeziehung Niedersachsen – Baden horrende Summen in der Telefonrechnung aufwiesen – zu diesen Zeiten waren Telefonbücher knappst gehaltene Güter. Es gab genau eins, das mit der Postkarte im Briefkasten abgeholt werden durfte. Eins. Nicht mehr. Und wenn du zwischendrin umgezogen bist, das Ding irgendwie abhanden gekommen ist oder der Hund drauf gepinkelt hat. Pech aber auch.

Dann kamen die Mobiltelefone, dann kam dieses Internet – das Interesse der Bevölkerung an den gedruckten Schwarten schien nach und nach zu sinken. MACHT NIX, sagt der hiesige Telefonbuchverlag. WIR DRUCKEN! Anzeigen lassen sich schließlich besser verkaufen, wenn die Auflagenhöhe stimmt, und die Auflagenhöhe, wer kürzt schon die Auflagenhöhe.

Und die Dinger lagen in den Postämtern rum wie sauer Bier. Lagen. Lagen. Lagen. Postämter gab’s irgendwann ja auch nicht wirklich mehr, aber die Telefonbücher blieben. Diesmal in den Postagenturen. Und auf einmal ungefragt in jedem Briefkasten, der an einer Haustür hing. Äh hallo?

Die Jugendturnerinnen, die monatlich das Altpapier einsammeln und so ihre Vereinskasse ein bisschen aufbessern, die freuen sich über das ordentliche Gewicht des nicht benötigten Druckwerks, das vom Briefkasten direkt in den Altpapiersammelkarton wandert.

Vor zwei Wochen im Einkaufsmarkt umme Ecke vonne Aabeit dann das nächste hippe Ding des hiesigen Telefonbuchverlags: Jeweils ein Exemplar Telefonbuch und ein Exemplar Gelbe Seiten in Plastik eingeschweißt. Zwei Reihen hoch im Display. Heute vormittag lagen sie da immer noch, und hintendran ebenfalls eine ganze Reihe (und nicht nur in diesem Einkaufsladen).

In Zeiten, in denen die Schlagzeile „Plastikmüll im Meer“ sicherlich jede Bundesbürgerin und jeden Bundesbürger mindestens einmal erreicht hat, in denen mehr und mehr Geschäfte kostenlose Plastiktüten abschaffen, in denen „Nachhaltigkeit“ schon fast als abgegriffen gilt, sitzt ein kleiner tapferer Telefonbuchverlag in Karlsruhe (seit 2010 „Fairtrade-Town“) und verteidigt eisern das Recht, Bäume in Massen zu bedrucken und in Erdöl einzuschweißen. Bravo G. Braun-Verlag. Ich versteh’s nicht.


Ich mein. Ich bin ja Dienstleisterin. Falls besagter Telefonbuchverlag das mit dem Plastik noch nie gehört hat, hier ein paar ersuchmaschinte Links. Geht ganz einfach, gibt gleich ganz viele Treffer:

www.bund.net/themen_und_projekte/chemie/achtung_plastik/plastikfasten/fakten_ueber_plastik

www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/muell-im-meer

www.wiwo.de/unternehmen/handel/zoff-um-plastiktueten-warum-wir-unsere-einkaeufe-endlich-anders-verpacken-sollen/12970588.html

2 Kommentare

  1. Peter sagt

    Zwischenzeitlich gab es die Periode der Telefonbuch-CDs. Die Deutsche Bundespost hat dafür vierstellige Markbeträge verlangt und jeden verklagt, der sie kopierte. Interessiert keinen mehr.

    • Susanne Butz sagt

      Das erinnert mich prompt an Unmengen von AOL-CDs, denen du nicht entkommen konntest….

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