Grüne Südweststadt, Stadtgärtnern

Tomaten auf die Balkone!

Collage: Verschiedene Tomaten, Samen und Aussaattöpfchen

Wir machen die Südweststadt grün, bunt, lebendig.
Machen Sie mit!

„Stadtgärtnern“ bringt Leben ins Quartier.

In Kooperation mit dem Quartiersprojekt Südweststadt beginnen wir
am Sonntag, 6. März 2016 um 14 Uhr im Grünen Zimmer des Bürger­zentrums Südweststadt (Redtenbacherstraße 10–14, 76133 Karlsruhe).

Motto: Tomaten auf die Balkone!

Denn jetzt im Februar/März ist es für manches Gemüse Zeit, an der Fensterbank vorgezogen zu werden – Tomaten, Paprika, Kopfsalat, Kohlrabi. Wenn Sie einen etwas geschützten Balkon haben, können Sie einiges sogar schon direkt dort aussäen: Radieschen, Dicke Bohnen, Pflück- und Schnittsalat, Spinat oder frühe Möhren.

Bitte bringen Sie mit:

  • Gemüsesamen, die Anfang März ausgesät werden dürfen, z.B. Tomaten oder Paprika (bitte auf dem Samenpäckchen nach der Aussaatzeit schauen).
  • Aussaaterde („normale“ Blumenerde ist für Sämlinge zu stark gedüngt). Gerne torffrei.
  • Schälchen zum Aussäen – diese müssen Sie nicht kaufen, es klappt auch mit Plastikschälchen vom Supermarkt, Küchenrollen, Zeitungspapier (damit lassen sich kleine Töpfchen basteln), Tetrapacks. Sie brauchen dann nur einen Untersetzer.
  • Schildchen zum Beschriften der Töpfchen oder Schalen.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Wer es nicht schafft, Samen oder Erde zu besorgen, kann für einen kleinen Unkostenbeitrag welche bekommen.

Ich freue mich über Anmeldungen jeder Altersklasse. Wenn Sie Kinder mitbringen, geben Sie bitte das Alter an, dann kann ich mich gezielter vorbereiten.

Anmeldungen bitte an:
Susanne Butz, E-Mail: sws [at] dreh-mal-um [punkt] de.

Mehr Infos? Gerne!

Saatgut/Samen

Samentütchen gibt es im Discounter, in Baumärkten, Gartencentern und Gärtnereien, bei Raiffeisen, in Bioläden. Natürlich auch online in diversen Shops.

Aber wie es mit vielen Artikeln so ist: Die preiswerte Ware ist Einheitsware, und Sie wissen nicht, wo sie herkommt. Die Herstellung und der Vertrieb von Saatgut liegt zum größten Teil bei wenigen Konzernen. Es ist standardisierte Ware, die kaum Vielfalt aufweist und sich zum eigenen Vermehren nur bedingt eignet.

Das Monopol dieser wenigen Konzerne aufbrechen, das möchten verschiedene Organisationen und Saatgutinitiativen wie Bingenheimer Saatgut, Dreschflegel oder Arche Noah.

Diese Initiativen setzen auf alte, bewährte Sorten, die samenfest sind. Wenn Sie hier von blühendem Gemüse, Obst oder Kräutern Samen ernten, erhalten Sie ein Abbild der Mutterpflanze – schon auch mal mit Mutationen, aber grundsätzlich können Sie immer wieder ihre eigenen Samen ernten.
Hybridsaatgut (mit F1 gekennzeichnet), wie Sie es von den großen Konzernen erhalten, entsteht aus Kreuzungen von Elternpflanzen, die im Besitz der Konzerne sind. Was aus den Samen dieser Früchte entsteht, können Sie nicht vorhersagen, auch der Ertrag geht zurück. Manche Sorten sind sogar steril (CMS-Hybriden), bilden also gar keine Samen aus.

Darüber hinaus bedeutet der Anbau alter Sorten das Bewahren genetischer Vielfalt.
Das hat nicht nur optische Reize – kennen Sie z.B. den „Blauen Schweden„, eine blau-violette Kartoffel, oder die „Pfälzer Gelbe“, eine gelbe Möhre?
Die unterschiedlichen Sorten sind häufig regionale, traditionelle Spezialitäten – angepasst an die Klima- und Bodenbedingungen der Region. Sie sind robuster, häufig weniger schädlingsanfällig, die Ernteperiode ist länger (was für den eigenen Garten super ist, da nicht alles auf einmal reift).
Gerade mit den Folgen des Klimawandels wird es immer wichtiger, auf eine Vielfalt zurückgreifen zu können, um passendere für die eigene Region zu finden oder auf natürliche Weise neue, gut geeignete Sorten zu züchten.

Diese Vielfalt kann nur erhalten werden, wenn die Sorten angebaut werden. Sorten werden nur angebaut, wenn sie auch nachgefragt werden. Also, blättern Sie ruhig mal in den Onlineshops der drei oben genannten Initiativen (Bingenheimer Saatgut führen auch manche Bioläden) und lassen Sie sich überraschen von „Peperoni Elefantenrüssel“, „Stuttgarter Riesen“ oder der „Zahnradtomate“. Vielleicht mögen Sie einfach ein paar Samentüten mit Ihrer Nachbarschaft tauschen?

(Aussaat-)Erde

Blumen- oder Pflanzerde bekommen Sie in der Regel dort, wo Sie auch Samen kaufen können. Also von Discounter über Bioladen über Online ist alles dabei. Auch hier rate ich dazu, nicht die billigste Erde zu verwenden. Schließlich möchten Sie Gemüse darin ziehen.

Wenn Sie in einem Gartencenter vor den vielen verschiedenen Erdesäcken stehen, fragen Sie sich vielleicht, was das soll. Ehrlich gesagt, erschließt sich mir der Sinn einer „Hochbeeterde“ auch nicht. Aber einige der Spezialerden sind tatsächlich hilfreich, da die Zusammensetzung von Dünger, Nährstoffen, ph-Wert dem Bedarf bestimmter Pflanzen angepasst sind.

Für die Aussaat nun sollten Sie keine normale Erde nehmen. Die enthaltene Düngung ist zu stark, die Sämlinge würden nur in die Höhe schießen und im Aufbau dafür zu schwach bleiben. Sie können normale Erde mit Sand „strecken“, um sie magerer zu machen. Aber wer nur mal so ein bisschen Balkongärtnern will, ist sicher schneller bedient, einen kleinen Sack Aussaaterde zu besorgen (oder einen etwas größeren, und den – na? – genau, den teilen Sie mit Ihrer Nachbarin aus dem 3. OG).

Wenn Sie torffreie Aussaaterde bekommen, ist das prima. Denn der Torfabbau zerstört Moore unwiederbringlich und setzt enorme Mengen Kohlendioxid frei. Beim BUND erhalten Sie einen Einkaufsratgeber Torffreie Erden (Sie müssen eine E-Mail-Adresse angeben, dann wird Ihnen ein Link zugeschickt).

Aussaatbehälter

Wenn Sie so richtig groß einsteigen wollen, dann sind Anzuchttöpfchen und -schalen, die Sie im Handel bekommen, praktisch. Scrollen Sie mal die „Erden & Anzucht“-Seite des Biogartenversands runter, da rutscht Ihnen sicher genau wie mir ab und zu ein „hui“ raus. Sollte sich jemand den Blumenkasten VW-Bulli T1 kaufen, dann bitte ich doch um ein Foto vom bepflanzten Bus 🙂

Wer Spaß am Basteln hat, kann das Aussäen aber ganz einfach mit Eierkartons, Klopapierrollen und Zeitungspapier probieren. Und da dieses Internet ein Internet der vielen Informationen ist, verlinke ich einen Artikel, der das mit den Eierkartons, den Klopapierrollen und dem Zeitungspapier wunderbar beschreibt.

3 Kommentare

  1. Toller Beitrag. 🙂

    Tomaten auf dem Balkon sind was feines, allerdings hatte ich letztes Jahr leider kaum Ernte. Dabei habe ich nichts falsch gemacht – glaube ich jedenfalls. Ich hatte Pflänzchen aus dem Baumarkt, die ich alle mit Tomatenerde in recht große Töpfe gepflanzt hatte, die Ernte war jedoch nicht der Rede wert. Ein befreundeter Gärtner meinte, dass Bienen den Balkon nicht finden und die Tomaten nicht befruchtet werden.

    Gibts da gute Tipps, wie ich Bienen auf meinen Balkon locken kann? Ich vermute, dass das Angebot an Blüten bei uns auf dem Dorf viel zu attraktiv ist, wenn ich ne Biene wäre würde ich mich bei all den Gärten ringsum wohl auch nicht mehr für einen popeligen Balkon interessieren. Was ich brauche ist eine Art Abenteuerland für Bienen, so dass sie den Anflug trotz des Überangebots auf sich nehmen.

    Ich bin für alle Tipps dankbar. Nur ein Balkonbienenkasten wäre eher nichts für mich, auch wenn das vermutlich die einfachste Lösung wäre.

    • Susanne Butz sagt

      Es gibt Blumensamenmischungen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge (Hummeln und Wespen bestäuben übrigens auch, ob die aber auf Tomaten stehen, weiß ich gar nicht). Hier würde ich auf jeden Fall Biosaatgut kaufen, billige Mischungen enthalten oft Pflanzen, die hier nicht heimisch sind und/oder für unsere Bienen gar nicht interessant. Meist sind es Mischungen mit ein- und mehrjährigen Pflanzen, dann sollten die Kästen nicht im Herbst ausgeräumt werden. Aber das müsste auch auf den Packungbeschreibungen stehen.
      Es ist auf alle Fälle ein Thema, das auf meiner Agenda steht, und wenn sich in der Südweststadt genügend Interessierte finden, würd ich das gerne in größerem Stil machen. Vielleicht bekomm ich dann auch raus, wer sich auf Tomaten am meisten stürzt.
      Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, mit Hand zu bestäuben – über die Suchmaschine finden sich da einige Tipps.

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