Grüne Südweststadt, Stadtgärtnern

Nicht nur Tomaten auf die Balkone – was kommt als Nächstes?

Kartoffeln im Topf. Blumenmischung für Insekten.

Bevor wir am 6.3. im Grünen Zimmer des Bürgerzentrums Südweststadt fleißig Tomatensamen in die Erde bringen, möchte ich zwei Ideen für weitere Aktionen in die Welt setzen:

Kartoffel in den Sack! oder Lasst Hummeln futtern!

Kartoffel in den Sack!

Supermärkte verkaufen drei, vier Kartoffelsorten, und das war’s.
Dabei gibt es Höfe in Deutschland, die Dutzende verschiedener Sorten anbauen: Gelb, braun, rot, violett – länglich, krumm, oval, rund – würzig, speckig, nussig oder buttrig im Geschmack. Sie tragen Namen wie Annabelle, Bintje, Ditta, Gunda, La Ratte, Odenwälder Blaue oder Rote Oberpfälzer. Nie gehört? Aber die Bamberger Hörnchen sind Ihnen eventuell schon mal untergekommen. Es gibt sie an manchen Karlsruher Wochenmarktständen zu erwerben.

Wenn Sie Kartoffeln nicht im großen Stil anbauen wollen, dann klappt das sogar mit einem großen Eimer auf dem Balkon. Oder einem Sack (fragen Sie doch mal den Kaffeeröster ums Eck, ob er da nicht was übrig hat?).

Schauen Sie mal, hier wird beschrieben, wie einfach das ist. Und es klappt, ich versprech’s:
www.oekolandbau.de/kinder/selber-machen/experimentieren/kartoffeln-aus-dem-eimer/

(Es empfiehlt sich, Kartoffeln aus dem Bioladen oder vom Wochenmarkt zu nehmen. Bei konventionellem Anbau müssen Sie damit rechnen, dass sie mit keimhemmenden Mitteln behandelt sind, dann klappt das nicht so gut mit dem Anziehen).

Wenn Sie Lust haben, mitzumachen, dann bestelle ich eine bunte Mischung Kartoffeln – oder besser zwei: Eine zum Pflanzen und mit der anderen machen wir uns einen leckeren Kartoffelsalat?

Zur Entscheidungsfindung können Sie ja mal auf der Website eines Kartoffelbauers stöbern, der sich mit Kolleginnen und Kollegen dafür eingesetzt hat, dass die „Linda“ wieder in den Verkauf kommen darf: Karsten Ellenberg. Und sollten Sie etwas in den Süden reisen: In Forchheim am Kaiserstuhl baut der Lindenbrunnenhof fast 40 verschiedene Kartoffelsorten an. Verkauft werden sie im Hofladen und auf Wochenmärkten in Freiburg und Hinterzarten.

Lasst Hummeln futtern!

Es gibt Mythen über Hummeln. Die stimmen nicht unbedingt. Zum Beispiel:

„Die Hummel ist eigentlich viel zu schwer, um fliegen zu können!“

Naja. Was macht die Hummel? Die Hummel sitzt ja nicht einfach so rum mit ihren kleinen Flügeln. Die schlägt ihre Flügel. So schnell, dass wir das gar nicht mitzählen könnten. Die Flügel schlagen nicht nur, die drehen sich auch. Das ergibt lauter Wirbel, und Wirbel sorgen für Auftrieb.

Wem eine einfache Erklärung reicht, bekommt die zum Beispiel vom Fernsehen (als Text):
www.daserste.de/information/wissen-kultur/wissen-vor-acht-natur/sendung-natur/warum-die-hummel-fliegen-kann100.html

Wer’s etwas wissenschaftlicher mag, bekommt es detaillierter:
www.spektrum.de/frage/sind-hummeln-wirklich-zu-dick-zum-fliegen/1335685

„Lindenblütennektar ist für Hummel giftig. Deshalb liegen im Hochsommer so viele tote Hummeln unter Linden.“

Auch falsch. Ende Juli/Anfang August beginnt ein „Blütenloch“.
Im Frühsommer können sich Bienen, Wildbienen, Hummeln (die korrekterweise zu den Bienen gehören), Schmetterlinge reichlich bedienen – zumindest in Städten mit Gärten und Grünanlagen. In intensiv genutzter Landwirtschaft finden Insekten und Vögel keine reiche Auswahl mehr.
Im Hochsommer gibt es nur noch wenige Blüher, unter anderem die Silberlinde. Sie kann aber den großen Bedarf nicht mehr stillen. Da Hummeln im Gegensatz zu Honigbienen nur wenig Nektar auf Vorrat sammeln, sind sie schnell am Ende mit ihrer Energie.
www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/hummeln/02636.html

Sollten Sie auf Ihrer Fensterbank oder in Ihrem Garten in dieser Zeit taumelnde Hummeln finden, könnten Sie mit einem Löffelchen mit Zuckerlösung versuchen, sie etwas aufzupäppeln. Die Frage bleibt: Was macht die Hummel danach?

Natürlich kann unser kleiner Balkon oder Hinterhof nicht die Hummelwelt retten. Aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist: Auf dem Balkon mehrjährige Wildkräuter aussäen. Sich wieder daran gewöhnen, dass einfache Blüten schön sind und es nicht die gefüllten Varianten braucht. Denn diese sind für Bestäuber wertlos. Am Beetrand Gundermann, Klee, Günsel, Taubnesseln dulden. Ysop, Thymian, Lavendel pflanzen. Königskerzen sind immer umschwärmt und blühen lange. Mit Sonnenblumen machen Sie auch den Vögeln eine Freude (über den Winter stehen lassen). Beim Kauf von Gehölzen darauf achten, wie wertvoll sie für Insekten sind…

Wenn Sie Samenpäckchen kaufen, wählen Sie bitte keine bunte Mischung aus dem Gartencenter oder dem Baumarkt. Sie finden auf den Packungen keine Artenzusammensetzung, sie finden keine Information, wo die Pflanzen herkommen.
Auch wenn die Samenpäckchen teurer sind: Hier ist es wirklich sinnvoll, die richtige Saat zu kaufen. Z.B.. von Syringa, von Bingenheimer Saatgut, oder um’s Eck bei Alnatura, Budni oder dm.

Warum das Ganze? Hummeln sind wichtige Bestäuber. Sie ziehen schon los, wenn es den (Honig-)Bienen noch zu kalt ist und sie sind auch fleißigere Blütenbesucherinnen. Letzte Woche warnte der Weltbiodiversitätsrat, ein UN-Gremium, vor den verheerenden Folgen für die Landwirtschaft und die Ernährung von Millionen Menschen, wenn das Aussterben der Bestäuberinsekten im aktuellen Maße fortschreitet.

Und nun?

Ja, das würd ich gerne wissen – auf was haben Sie Lust? Die nächsten Termine in Kooperation mit dem Quartiersprojekt Südweststadt stehen schon fest: Sonntag, 20.3. und Sonntag, 10.4.. Auch wieder um 14 Uhr im Bürgerzentrum Südweststadt.

Wollen Sie Kartoffeln oder lieber Hummeln oder ganz was anderes? Sagen Sie es mir: sws [at] dreh-mal-um [punkt] de!


Rechts auf dem Foto, das war übrigens ein Vorschlag auf der Landesgartenschau in Landau 2015: „Eh da-Flächen„. Flächen, die quasi rumstehen. Die lassen sich dann prima mit Schmetterlings- oder Bienenmischungen bepflanzen.