Gärtnern

März, April, Mai – oder Salweide, Forsythie und Apfelblüte?

Forsythienbüsche

Jetzt gartle ich nun schon eine Weile – und erst, nachdem ich mich mit Biene, Hummel usw. beschäftige, nehme ich den Phänologischen Kalender richtig wahr.

Ich glaub, das ist so echt peinlich.

Wobei es nicht ganz stimmt: Die Forsythienblüte als Zeitpunkt, an dem die Rosen geschnitten werden, die war mir bekannt (also – Wer die Rosen noch nicht geschnitten hat: JETZT. Hopp. Dalli). Apropos Forsythie: Damit kann keine Biene, keine Wildbiene, keine Hummel was anfangen. Es IST kompliziert.

Der Unterschied des Phänologischen Kalenders zu den üblichen Monatskalendern ist der:

Wenn in Monatskalendern von Büchern oder Gartenzeitschriften was von Aussaat, Vorbereitung oder Pflanzung im April steht, kann das für meine Region evtl. noch gar nicht – oder nicht mehr passen. Denn wohne ich im klimageschützten Markgräflerland, kann ich wesentlich früher meine Kartoffeln setzen als im Harz. Es gibt Jahre, da haben wir schon früh durchgängig warme Temperaturen, und in anderen kommen sie ewig nicht in die Pötte.

Die Monatsangabe kann also lediglich ein ungefährer Anhaltspunkt sein.

Beim phänologischen Kalender hingegen richte ich mich nach Zeigerpflanzen: Wann blühen Hasel und Schneeglöckchen? Im Vorfrühling. Wann blüht die Forsythie? Im Erstfrühling. Wann beginnt die Apfelblüte und entfalten sich die Blätter der Stieleichen? Im Vollfrühling.

Huch? Dreimal Frühling? Ja. Mit dem Sommer geht es genauso weiter: Frühsommer ist, wenn der Schwarze Holunder beginnt zu blühen. Hochsommer ist die Zeit der Sommerlinden – und die Zeit der reifen Roten Johannisbeeren. Im Spätsommer reifen die frühen Apfelsorten und die Vogelbeeren.

Und den Herbst gibt es auch gleich dreimal: Frühherbst, wenn der Schwarze Holunder reif ist. Vollherbst, wenn die Früchte der Rosskastanien von den Bäumen fallen. Spätherbst, wenn sich die Blätter der Stieleiche färben.

Zuletzt: Der Winter. Der ist einmalig.

Und was bringt mir das? Ich kann nun wesentlich genauer das im Garten tun, was in meiner Region und meinem Klima angesagt ist. Bei uns blühen gerade die Forsythien, also ist es für mich Zeit, den Komposthaufen umzusetzen, Schmetterlingspflanzen auszusäen, ebenso wie Mangold, Erbsen, Dill. Kartoffeln können gepflanzt werden, genauso Dahlien und Gladiolen. OK, bei mir in der Hobbygartelei ist das vielleicht nicht soooo maßgeblich (es fressen ja eh die Schnecken alles weg). Aber sobald mein Herzblut tiefer an bestimmten Dingen hängt – oder sobald ich anfange, mit Honigbienen zu arbeiten, dann werden die Feinheiten wichtig.

Dieser Kalender ist schon super, oder?

Beim Bayrischen Rundfunk gibt es eine ausführliche Übersicht:
www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/garten/phaenologischer-kalender-phaenologie-garten100.html

Ich hoffe, sie fällt nicht so schnell der Depublizierung zum Opfer.