Gärtnern, Grüne Südweststadt
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Nahrung für die Pflanzen – Wurmkompost

Kompostwürmer in einem großen Blumentopf ausKunststoff

Der Regenwurm, der Regenwurm, der dreht die ganze Erde um…. Formidable Helferlein für Garten und Gärtner_in: Pflanzenabfälle sind ihre Leibspeise – und was hintenraus kommt, bester Humus.

Nur: Was tun, wenn für den großen Komposter kein Platz vorhanden ist? Küchenabfälle gibt’s in  jedem Haushalt. Statt alles in die Biotonne zu geben, wäre es doch schön, seinen eigenen Dünger für die Gemüseaufzucht daheim produzieren zu lassen?

Wurmkompostierung geht auch in handlich! Geschlossene (aber belüftete!) Systeme gibt es in verschiedenen Varianten – zum Selbstbauen oder zum Kauf. Und nein: Weder zieht es unerwünschte Insekten an, noch hauen die Würmer ab, noch stinkt das Ganze – sofern Sie sich an ein paar Regeln halten. Neugierig?

Kommen Sie zur nächsten Veranstaltung der „Grünen Südweststadt“ in Kooperation mit dem Quartiersprojekt Südweststadt: Wir treffen uns am Sonntag, 3. Juli 2016 um 14 Uhr im Mitmach-Laden Südwest des Badischen Landesvereins für Innere Mission in der Mathystraße 12, Karlsruhe-Südweststadt.

Ich bringe so eine kleine Humusfarm mit Eisenia foetida – dem Kompostwurm – mit. Vielleicht haben Sie Lust, es nachzumachen?

Viele von Ihnen kennen weitere Tipps, mit natürlichen Mitteln Blumen und Gemüse zum Blühen und Fruchten zu bringen. Ob Kaffeesatz und Bananenschalen, ob Brennessel-Jauche und Flächenmulch, ob Pferdeäpfel und Schafwolle. Wir sind sehr gespannt!

Bitte bringen Sie mit:

  • Ihre kleinen Tricks und Ihre Erfahrungen mit Dünger und Humus
  • Gute Laune, etwas zu trinken und Sonnenschutz.

Die Veranstaltung ist kostenlos, über eine kleine Spende freue ich mich.

Mehr Infos? Gerne

Warum der ganze Zauber?

Wie wir Menschen, so brauchen Pflanzen bestimmte Nährstoffe und Spurenelemente, um gesund zu wachsen und Blüten (bzw. Früchte) zu tragen. Auch wenn wir Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente künstlich herstellen können – den Grünkohl direkt zu essen, trägt mehr zu unserer Gesundheit bei, als Vitamin A, Vitamin C, Calcium und Magnesium in Tablettenform einzuwerfen.

Jahrzehntelang war Düngung im Garten mit Kunstdüngern üblich (Stichwort: Blaukorn), im Beet großzügig verteilt. Kunstdünger wird unter großem Energieaufwand hergestellt. Nährstoffe sind für die Pflanzen hier schnell verfügbar – aber die Gefahr der Überdüngung ist ebenso schnell da. Zuviel Dünger wird ausgewaschen und sickert ins Grundwasser.

Anstatt Pflanzen punktuell etwas zukommen zu lassen, ist es sinnvoller, Boden und Bodenleben zu fördern. Ein aktives Bodenleben durchlüftet den Boden, die beteiligten Helfer im Boden bauen Pflanzenreste ab, stellen diese als wertvolle Nährstoffe wieder zur Verfügung, stärken somit die Pflanzen und steigern letztendlich den Ertrag. Sie bieten Ihren Pflanzen quasi den Grünkohl statt der Vitamintabletten.

Bodenleben fördern Sie nicht mit künstlichen Zusatzstoffen, sondern mit Mulch, mit Kompost, mit Regenwurmhumus. Natürlicher Dünger wird im Boden langsamer abgebaut. Er steht den Pflanzen länger zur Verfügung (auch mit natürlichem Dünger oder Humus können Sie überdüngen – aber da müssen Sie wirklich viel davon verteilen).

Während Sie im Boden die größeren Regenwürmer wie „Lumbricus terrestris“ finden, leben im Kompost oder im Mist die kleineren Kompostwürmer wie „Eisenia foetida“. Sie graben sich nicht tief in die Erde ein wie ihre größeren Verwandten, sondern leben in der oberen Mulchschicht des Bodens. Sie brauchen das Futter direkt um sich. Und das ist die Chance für die Verwertung Ihrer Küchenabfälle!

Das Material

Unbehandeltes (!) Holz, Ton, Kunststoff (mit ausreichend Luftlöchern) – viel ist möglich. Holz verrottet irgendwann, bei Kunststoff muss man aufpassen, dass der Inhalt nicht zu feucht wird oder sich der Behälter zu sehr aufheizt.

Die größten Eimer mit Deckel, die ich gefunden hatte, waren 24l-Eimer. Für den ersten Versuch war mir das zu heikel – ich wollte nicht, dass es den Würmern aufgrund zu wenig Platz zu heiß wird (verrottendes Material erzeugt Wärme, Grasschnitt sogar Hitze). Schließlich kaufte ich zwei Kunststoffboxen, die sich beim Anbohren als untauglich erwiesen: Der Kunststoff sprang, war also zu dünn.

Also nix mit schick und praktisch, sondern ganz pragmatisch: Es zog ein großer Blumenkübel aus stabilem Kunststoff ein. 40 l umfassend, zwei passende Untersetzer (einer ganz dicht für den Boden, einer etwas größer). Im Boden und rundum in die Wände 3mm-Löcher gebohrt. Statt Deckel sitzt eine luftdurchlässige Folie auf dem Topf, gehalten mit einem Gummiband.

Links: Blumenkübel mit gleichmäßigen Löchern, darin die Erde mit Kompostwürmern. Rechts: Der Blumenkübel mit Folie verschlossen, die Löcher in der Kübelwand gut sichtbar.

Die Füllung und das Futter

Die Kompostwürmer bekamen ein „Bett“ aus eingeweichtem Eierkarton (alternativ gehen auch eingeweichte Zeitungsschnipsel oder unbedruckter Karton) und befeuchtetes Kleintierstreu, zusammen ca. 5 Zentimeter hoch. Darauf Erde aus dem Komposter im Garten. Die online bestellten Eisenia foetida kamen mit etwas Substrat und durften gleich einziehen. Noch etwas Futter zum Start drauf (Kaffeesatz, Radieschenreste, kleingeschnittene Mangoschale, Teebeutel – was halt so im Küchenkistchen wartete).

Zu Beginn müssen sie sich erst eingewöhnen, da passiert in den ersten Tagen nicht viel. Die Erdbeerreste, die es schließlich ein paar Tage später gab, waren ziemlich schnell weg. Es gibt Lieblingsspeisen und weniger gemochtes – weiche, klein geschnittene Reste verputzen sie schneller. Gröberes muss erst mal etwas verrotten.

Fleisch, Käse, Ei, Öl und Gekochtes darf nicht rein (das würde auch unerwünschte Begleiter anziehen)!

A propos Begleiter: Asseln, Springschwänze und kleine weiße Würmer (Enchyträen) helfen den Kompostwürmern mit, die Abfälle zu zersetzen. Also nicht erschrecken, sondern freuen, dass das Zusammenspiel so gut klappt!

Eine Mischung aus Kaffeesatz, Radieschen, Teebeuteln, Mangoschalen

Und das stinkt echt nicht?

Wenn Ihr Bioabfallbehälter in der Küche gerne mehrere Tage (Wochen?) gefüllt rumsteht, mit viel feuchten Resten und einem geschlossenen Deckel – dann stinkt der. Wer den Wurmkomposter ähnlich füllt, wird auch einen stinkenden Wurmkomposter bekommen. Dann fault der Abfall statt zu Verrotten. Deshalb ist Luft so wichtig (Pro-Tipp: Ich sammle meine Küchenabfälle in einer offenen kleinen Box. Die ist so klein, dass ich gezwungen bin, sie spätestens nach zwei Tagen zum Komposter zu tragen. Da sie nicht geschlossen ist, trocknen die Reste an und modern nicht so schnell).

Kompostwürmer brauchen es zwar feucht – aber nicht tropfnass. Bei sehr feuchten Küchenabfällen ist es sinnvoll, etwas Erde oder auch mal etwas Gesteinsmehl (Gartenbedarf) drüber zu streuen oder eine dünne Schicht Zeitungsschnipsel dazuzugeben. Gesteinsmehl bindet übrigens auch den Geruch, wenn man Jauchen ansetzt.

Lassen Sie Ihren Würmern zum Futtern Zeit – geben Sie nur Abfälle nach, wenn Sie merken, dass sich an den vorigen was getan hat.

Und die Würmer krabbeln nicht raus?

Am ersten Tag hatte ich die Folie nur nachlässig drauf gezogen. Da sich die Würmer erst mal in der neuen Umgebung orientieren mussten, wanderten in der Tat einige auf den Boden. Also einsammeln (schafft gleich mal ne nähere Bindung ^^) und die Folie sorgfältiger fixieren. Nachdem sie sich eingelebt haben, bleiben sie aber sowieso da, wo es das Futter gibt. Manchmal sind welche im Untersetzer, auf dem der Topf steht. Licht mögen sie übrigens nicht, auch deshalb die Folie.

Der Standort

Der Behälter sollte nicht in der prallen Sonne stehen. Ein schattiger Platz auf dem Balkon oder im Hof ist gut. Im Winter reinstellen, damit sie nicht erfrieren (im Komposter im Garten können sie bei Bedarf in die Erde abwandern). Mein Topf steht im Keller, da gibt es keine extremen Temperaturen.

Wann gibt’s die Ernte?

Das muss ich sehen, wann es soweit ist – in zwei, drei Monaten? Die besseren Wurmkisten bestehen aus mehreren Etagen: Dann wird nach einiger Zeit eine zweite Etage mit Löchern auf die untere gestellt und mit etwas Küchenabfall gefüllt. Haben die Kompostwürmer in der unteren alles aufgefuttert, wandern sie nach oben, wo es weiter geht. Die untere Etage kann abgebaut und geleert werden. Würmer und Wurmkokons, die sich noch darin befinden, in die neue Etage geben – sie überleben weder im Blumentopf noch in der Gartenerde, da es nicht ihrem Lebensraum entspricht.

Ich will mehr wissen!

Unten bei den Links gibt es verschiedene Erfahrungsberichte. Wenn Sie in die Suchmaschine „Wurmkompostierung“ eingeben, finden Sie so viele Treffer, dass ich mich frage, warum nicht jeder zweite Haushalt so ein Ding bei sich stehen hat.

Viel Spaß!

Links

Regenwurm-Portrait des NABU:
www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/sonstige-arten/02265.html

Einen Vergleich der Nährstoffe von Regenwurmkot und einfachem Boden hat das Projekt Wurmpalast.de zusammengestellt (inkl. Literaturliste, wer sich einlesen möchte):
wurmpalast.de/boden-und-regenwuermer

Ausführliche Anleitung für ein Wurmkompost System bei wikiHow (den Vorschlag mit den Autoreifen sehe ich skeptisch. Ich weiß nicht, was diese Reifen an unerwünschten Stoffen ausgasen):
de.wikihow.com/Selbst-ein-Wurmkompost-System-erstellen

Anleitung für einen Wurmkompost mit Holzkisten:
der-kleine-horror-garten.de/diy-anleitung-fuer-eigenen-wurmkompost/

Anlegen eines Wurmkompostes in einem mehrstöckigen, gekauften System:
gartenzeitung.com/wurmhumus-wurmkompost/wurmfarm-einrichten-anlegen.html

Worauf sollten Sie achten? Hier eine ausführliche Zusammenstellung:
www.wurmkiste.at/richtig-kompostieren

Für Ästheten liefern zwei Österreicher eine Wurmkiste aus Holz mit weichem Sitz – ein Möbelstück mit Innenleben zum Selbstbauen oder bereits fix und fertig. Wirklich schick, aber mit entsprechendem Preis:
www.wurmkiste.at

Ebenfalls richtig schick: Der WormUp-Komposter eines Schweizer StartUps. Ein Mehr-Etagen-Modell aus Ton, das als stylisches Möbelstück in der Küche stehen darf. Aber eben auch nicht gerade billig:
www.wormup.ch

Kompostwürmer kaufen (falls Sie niemanden mit einem Komposter im Garten kennen):
In Gartencentern, Baumärkten, Online-Shops gibt es Bestellgutscheine für Kompostwürmer (Eisenia foetida) von Neudorff, z.B. beim Biogartenversand Hof Jeebel.
Direkt bestellen (und wesentlich preiswerter als von Neudorff, warum auch immer) können Sie Eisenia foetida bei Wurmidee.
Denrobena Veneta (auch Eisenia hortensis) gibt es bei Sautter & Stepper oder bei der Wurmfarm Superwurm. Auf einigen Websites wird bei dieser Art darauf hingewiesen, dass sie eher „abhaut“ als Eisenia foetida. Sie sollten also auf ein gut geschlossenes System (mit kleineren Luftlöchern) achten.

2 Kommentare

  1. Uli sagt

    Schöner Beitrag – und schöne Links (ich mag vor allem die österreichische Wurmkiste).

    Kennst du eine Adressen in Karlsruhe, wo es Würmer gibt ? Laden oder Privat… ?

    • Susanne Butz sagt

      Ich nehme an, dass es bei Raiffeisen den Bestellgutschein für Neudorff gibt (ich hatte sie online bestellt). Die sind relativ teuer, Versand nur, wenn es nicht zu heiß ist. Im Zweifelsfall dort fragen, wo es Anglerbedarf gibt (eine von den großen Zoohandlungen?). Denn die Kompostwürmer werden auch zum Angeln verwendet.
      Oder jemanden fragen, der einen größeren Kompost im Garten hat – die tummeln sich dort natürlich in großer Zahl, allerdings muss man den Kompost dazu erst mal umsetzen (und ich war zu faul dazu gewesen, weshalb ich welche bestellt hatte).

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