Küchengedöns
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Schleckermaul. Zwetschgenmarmelade für fitte Faule

Zwetschgenmarmeladegläser

„Los, Sie müssen jetzt Fotos machen, wie ich den Topf ausschlecke!“, sagte die Seniorin und schrabbte mit dem Zeigefinger die letzten Reste der Marmelade raus. Sie grinste und schaute mit großen Augen in die Kamera. Wie schade, dass die Bilder nicht zur Veröffentlichung gedacht sind.

Aber die Damen aus dem Betreuten Wohnen sind ja nicht von gestern. Da existieren Tablet und Smartphone und die erste Mailadresse wurde mir schon zugetragen, um die Bilder hinschicken zu können.

Wir schaffen jetzt nämlich im Doppelpack, der Mann der mir den Rücken freihält, und ich.

Zuhause probierte ich schon mal im Voraus, was rasch und unkompliziert mit verschiedenen Gruppen durchzuführen ist. Zwetschgenmarmelade zum Beispiel. Anstatt – so wie es sich gehört – stundenlang die Zwetschgen zu einem dicken Mus zusammenzukochen, geht das auch per Mogelpackung. Die Zwetschgen einfach mit Apfelsaft (wahlweise Rotwein) weichkochen, pürieren und mit Gelierzucker aufkochen lassen, fertig. Das duftet schon während des Kochens verführerisch, und wenn dann die ersten Schleckversuche mit den Resten getätigt werden, kommt das „Mhhhh“.

vorbereiteter Arbeitstisch mit Pflaumen, Brettchen, Messern und Getränken. Zweiter Arbeitstisch mit Töpfen, Gelierzucker, Geschirrtüchern, Pürierstab, Schneebesen etc etc

Professionelle Deformation: Alles ordentlich vorbereitet und hingerichtet. Das macht ihm so schnell keiner nach.

Die Damen schnippelten, erzählten von früher, von Powidl und von Milchreis, von lokalen Namensgebungen („Zwetschgen, wieso sagt er Zwetschgen? Das sind doch Pflaumen? Ach, Sie mit Ihren Zwetschgen!“).

Sechs Leute um den Tisch, Zwetschgen schneidend

Schnippel. Plapper. Lach.

Und Sie glauben doch nicht, dass die Damen nur am Tischrand stehen blieben zum Gucken? Da wurde gerührt, Schaum abgeschöpft, ungeduldig gefragt, wann jetzt der Zucker rein kann, skeptisch geäußert, dass das wohl nicht fest wird, und mich schließlich strafend angeschaut, als ich meinte, ich sei immer zu faul, eine Gelierprobe zu machen. Upps.

Zwei Töpfe mit halbierten Zwetschgen und Apfelsaft auf der Kochplatte

Immer mal umrühren und etwas weichkochen lassen.

Der Timer klingelte (bzw. das Smartphone krähte), ab in die Gläser – um festzustellen, dass wir offensichtlich die Mengen falsch berechnet haben. Zu viel Marmelade für zu wenig Gläser.

Aber hey! Wir haben es mit einer Generation zu tun, die Gläser im Vorrat hält. Die waren zwar dann nicht abgekocht, aber macht nix, dann essen halt alle erst von dieser Marmelade.

Seniorin klebt Etiketten aufs Glas

Wichtig: Etiketten kleben.

Zum Abschied gab es noch ein Gruppenfoto vor getaner Arbeit – und das nächste Mal gibt es Apfelbirnenkompott. Auf meinen Vorschlag, diesen mittels Einkochtopf einzuwecken, damit er länger hält, folgte Empörung „Ach was, das essen wir doch gleich!“

OK. Gläser im Vorrat, aber die Lebensmittel, die nehmen wir lieber sofort zu uns.

Eine Woche zuvor kochte ich mit jungen Eltern. Die kennen das Marmelade selbst kochen gar nicht mehr. Zwischen Kind auf dem Arm und in den Kochtopf schauen, war nicht sooo viel Enthusiasmus. Aber dann. Als ich den fast leeren Topf hinstellte und meinte: „Schlecken Sie aus!“ Großes Aha-Erlebnis und schnell vom Baguette geschnappt und ausgekratzt. Abends drauf der Kommentar einer Mutter: „Die Marmelade ist so lecker, das Glas ist schon fast leer!“

Also. Keine Ausrede. Mit der Mogelpackung braucht’s echt keine Stunde für.

Rezepte gibt es in diesem Internet. Die Gläser sollten ordentlich sauber sein (Auskochen in einem großen Topf, z.B.). Gelierzucker 2:1 ist super (1kg Obst auf 500g Zucker). Das Obst reif, aber noch nicht matschig (auf dem Wochenmarkt nach dem sehr reifen Obst fragen. Weil das schnell weg und verarbeitet werden muss, ist es preiswerter als das Obst, das für den Kuchen schön sein soll). Gern noch den Saft von ner Zitrone rein. Vielleicht auch etwas Vanille. Ein Marmeladetrichter hilft, die heiße Masse sauber in die Gläser zu bekommen. Deckel gleich feste zu – und ob auf den Kopf stellen oder nicht, ist Philosophie. Ich mach’s nicht mehr, das Vakuum funktioniert trotzdem. Topf ausschlecken. Etikett auf die Gläser. Freuen.

Und für Experimente gibt es auch Gelegenheit. Z.B. mit 2/3 Pflaumen, 1/3 Tomaten und herben Gewürzen. Sehr gut. Find ich zumindest. Und das nächste Mal dann vielleicht doch mit etwas längerem Einkochen. Spart Zucker, schmeckt noch mal anders.

Keine Ausrede!

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