Grüne Südweststadt, Stadtgärtnern, Wildtiere
Kommentare 2

Vogelfutter selbst gemacht

Plätzchenform (eine Tanne) gefüllt mit Vogelfettfutter. Hängt an einem alten Fensterladen.

Früher gab es im Winter Meisenknödel und ungeschälte Sonnenblumenkerne, um Vögel zu füttern. Heute bekommen Sie selbst im Drogeriemarkt und bei Discountern verschiedenste Futtermischungen und Fettknödel. Bei Raiffeisen, in Baumärkten und in manchen Gartencentern finden Sie sogar das ganze Jahr eine breite Auswahl und jede Menge Futtervorrichtungen. Getrocknete Mehlwürmer in Erdnussbutter – braucht es das? Wieso gibt es solche Preisunterschiede zwischen Discounter und Fachhandel? Warum ist selbst gemachtes Fettfutter im Zitronennetz gefährlich? Welches Für und Wider gibt es für das eingesetzte Fett?

Kommen Sie zur nächsten Veranstaltung der „Grünen Südweststadt“ in Kooperation mit dem Quartiersprojekt Südweststadt zu Vogelfutter selbst gemacht!

Am Sonntag, 4.12.2016, treffen wir uns wieder um 14 Uhr im Bürgerzentrum Südweststadt (Friedensheim), Redtenbacher Straße 10-14, Karlsruhe.

Wir werden mit Rindertalg, einer Mischung aus Kernen, Samen und Haferflocken und einem kleinen Schuss Öl Futterplätzchen zum Aufhängen herstellen. So wissen Sie, dass Ihre Vögel gutes Futter mit viel Energie bekommen.

Die Veranstaltung ist kostenlos, für das Material bitte ich um einen Kostenbeitrag.

Material für das Herstellen von Fettfutter: Saatenmischung, Haferflocken, Talg, Öl, Förmchen.

Mehr Infos? Gerne

Warum überhaupt füttern?

Die Meinungen, ob und wie Gartenvögel gefüttert werden sollen, sind vielfältig.

Die einen sagen: „nicht in die Natur eingreifen“ oder „nur bei sehr strengem Frost“. Andere sehen Winterfütterung als pädagogischen/umweltbildnerischen Gewinn.
Und dann gibt es noch das Plädoyer für die Ganzjahresfütterung von Singvögeln. Denn der Mensch hat so sehr in ihre Lebensräume eingegriffen, dass sie unsere Unterstützung bitter benötigen. Ein bekannter Vertreter dieser Sichtweise ist der Ornithologe (Vogelkundler) Prof. Dr. Peter Berthold (Link zu Wikipedia).

In manchen Büchern wird noch gewarnt: Elternvögel könnten ihre Brut, die zum Aufwachsen unbedingt tierisches Futter braucht, mit Vogelfutter füttern. Inzwischen scheint bewiesen, dass die Elternvögel weiterhin Insekten für ihre Jungen holen. Ihnen selbst erleichtert aber der Energieschub durch das Futterhäuschen die anstrengende Zeit der ständigen Insektenjagd.

Wer sich zum Füttern entschließt, sollte damit bereits vor einem „sehr strengen Frost“ beginnen. Denn die Vögel müssen erst einmal lernen, dass es hier Futter gibt. Bei mir brauchten sie über eine Woche, bis sie Futterhäuschen und Fettfutter entdeckt hatten. Das kann bei strengem Frost, wenn sonst kaum etwas zu finden ist, sehr sehr lang sein.

Fettfutter in einem Anzuchttöpfchen. Es hängt an einem Baumast.

Wieso gibt es unterschiedliches Futter?

Manche Gartenvögel sind in erster Linie Samen- und Körnerfresser – Finken z.B.. Der Schnabel gibt da schon einen Hinweis: Dick und kräftig. Damit lässt sich ordentlich was knacken. Eindrücklich ist das beim Kernbeißer zu sehen, und in einer originellen Variante beim Fichtenkreuzschnabel (alle Links führen zu Wikipedia inkl. Bildern).

Andere fressen in erster Linie Insekten. Saaten nehmen sie nur, wenn sie sehr klein sind. Rotkehlchen oder Zaunkönige z.B. bevorzugen deshalb bei der Fütterung weiches Futter wie Rosinen, in Öl eingeweichte Haferflocken, geschälte Sonnenblumenkerne, getrocknete Mehlwürmer. Der Schnabel ist schmal, spitz und kann gut zupicken. Auch Amseln oder Stare, die sich gerne am Obst vergnügen (z.B. Fallobst oder nicht geerntete Beeren) mögen solche Mischungen.

Wie bei den Menschen gibt es auch bei den Gartenvögeln die Flexiblen. Frühjahr und Sommer jagen sie fleißig Insekten. Im Winter stellen sie sich auf Körner und Saaten um. Dazu gehören z.B. die Meisen, Spechte und Kleiber.

Da diese kleinen Lebewesen im Winter und im Frühjahr zur Brut viel Energie brauchen, sind Fette eine gute Möglichkeit, den Mangel an Insekten und Würmern auszugleichen. Es gibt Fettfutterblocks, Futterkuchen und ungesalzene Erdnussbutter (niemals Erdnussbutter für den menschlichen Verzehr geben!).

Erdnussbutter mit Mehlwürmern in einem speziellen Glashalter

Wie füttern?

Bei Streufutter bzw. Futter im Häuschen immer nur so viel geben, wie an einem Tag gefressen wird. Feucht gewordenes Futter kann schnell schimmeln und ist damit sehr gefährlich für die Vögel.

Geeigneter als ein offenes Futterhäuschen ist ein Futtersilo. Hier kann eine größere Menge Futter gegeben werden, ohne dass dieses feucht wird. Die Vögel picken aus seitlichen Öffnungen ihre Leckereien. Futtersilos lassen sich leicht selbst machen – hier eine Anleitung im Blog „sinnvoll erleben – sinnvoller leben“: http://sinnvoll-erleben.blogspot.de/2013/01/upcycling-dienstag-vogelfutterstation.html. (Die offene Variante aber wirklich nur unter einem geschützten Dach anbringen).

Hinzu kommen die unterschiedlichen Gewohnheiten, wo die Vogelarten am liebsten fressen: Die einen picken am Boden (z.B. Rotkehlchen, Drosseln, Stare, Buchfink), die nächsten turnen akrobatisch an Zweigen und Meisenknödeln (z.B. Blau-, Kohl-, Weidenmeisen, Sperlinge, Zeisig). Wieder andere bleiben am liebsten bei Baum und Rinde – Specht & Co. mögen Futterhölzer, in die Fettfutter geschmiert wird.

Brot, Kartoffeln, Essensreste sollten nie verfüttert werden. Nicht nur durch den Salzgehalt sind sie schädlich, die kleinen Mägen vertragen es einfach nicht.

Futter-Talg-Mischung

Wo kaufen?

Bei billigen Meisenknödeln bzw. Futtermischungen ist es möglich, dass sie alt, minderwertig oder im schlimmsten Fall belastet sind. Höherwertiges Futter ist teurer, dafür sind die Zutaten in sinnvollen Zusammensetzungen, auf Rückstände kontrolliert, auf Ambrosia überprüft und das Fett gereinigt.

Gut ist es, wenn in einer Mischung die Bestandteile detailliert aufgeführt sind. Ich habe mich  geärgert, als in einer Futtermischung von Raiffeisen Getreidekörner – Weizen vermutlich – im Futterhäuschen übrig blieben. Deklariert sind „Sonnenblumenkerne, Saaten und Nüsse“. Saaten ist nun mal ein sehr allgemeiner Allgemeinbegriff… Die kleineren Gartenvögel mögen Getreide nicht. Auf den Boden gestreut ziehe ich eher Tauben und Mäuse an, das ist weniger mein Ziel.

Mein Schluss daraus: In diesem Fall kaufe ich eben nicht regional, sondern bei den Experten. Und das sind z.B. der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.. oder die Firma Vivara. Beide haben Onlineshops.

Fettfutter in einer Tasse. Sie hängt am Gartenzaun.

Selber machen?

Logisch. Sonst hätten wir kein Anlass, uns am 4. Dezember zu treffen 😉 Und wer nicht kommen kann, bekommt das zuhause ganz einfach selbst hin.

Sie brauchen dazu Fertigmischungen oder unterschiedliche Saaten und Nüsse (z.B. Sonnenblumenkerne, Erdnussbruch, Maisbruch, Mohn, Kleie, Haferflocken), Trockenobst, vielleicht auch getrocknete Mehlwürmer, Fett und einen Schuss Sonnenblumenöl.

Für das Fett haben Sie zwei Alternativen: Rindertalg oder Kokosfett. Tierisches Fett hat für die Vögel einen höheren Nährwert als pflanzliches Fett. Sie können Rindertalg bei Ihrer Metzgerin oder Ihrem Metzger bestellen. Wenn Sie kein tierisches Produkt nehmen möchten, kaufen Sie Kokosfett. Im herkömmlichen Handel bekommen Sie das z.B. unter dem Markennamen Palmin. Natürlich ist Kokosfett aus biologischem Anbau vorzuziehen, aber um einiges teurer.
Von Palmfett ist aus vielen Gründen abzuraten. Sofern es nicht dringend sein muss, sollten Sie keines verwenden.

Das Fett vorsichtig schmelzen, es darf nicht kochen (insbesondere Talg stinkt heftig, wenn es zu heiß wird). Die Saaten und Nüsse dazu (Verhältnis ca. 1:1), einen Schuss Sonnenblumenöl, damit das Fett nicht brüchig ist. In kleine Behälter füllen, Stöckchen reinstecken, um darin später einen Aufhänger durchzuziehen. Warten, bis alles erkaltet ist. Fertig.

Knödel aus Fettfutter nicht in Zitronennetze o.ä. stecken – die Vögel können mit ihren Füßchen sich darin verheddern.

Eine Anleitung fürs Selbermachen finden Sie in vielen Büchern und Websites. Der NABU hat ein kleines Filmchen dazu gedreht:
www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/mission-gruen/17989.html

Verschiedene Behälter mit Fettfutter gefüllt.

Und sonst?

Wenn Sie einen Garten haben, lassen Sie die Stauden über den Winter stehen. Schneiden Sie Sträucher und Hecken erst Ende des Winters (allerdings noch vor der Brutzeit ab März). In den Stängeln überwintern Insektenlarven, die von den Vögeln gepickt werden, von den Samenständen können sie naschen.

Lassen Sie alte Bäume stehen. Sie sind wertvoller Lebensraum für die Vögel.

Wenn Sie neu pflanzen, wählen Sie heimische Sträucher mit Beerenfrüchten und heimische Bäume mit  Obst. Bei Rosen wählen Sie Sorten, die Hagebutten ausbilden. Damit machen Sie nicht nur ihren Wintergarten farbig, sondern bieten auch den Gartenvögeln im Winter Nahrung.

Verwenden sie keine Insektizide oder Pestizide. Erinnern Sie sich an die mit Insekten vollgeklebten Autoscheiben und -scheinwerfer früher? Diese Menge an Nahrung fehlt den Vögeln heute.

Und jetzt viel Spaß beim Machen und Beobachten!

2 Kommentare

  1. Andrea Zielke sagt

    Schöner Artikel. Nachdem ich im Netz gelesen hatte, dass Fettfutter für den Nachwuchs gefährlich sein kann, hatte ich meine von Blaumeisen gut frequentierten Sonnenblumenkerne im Frühjahr schnell wieder vom Balkon entfernt. Seit ein paar Tagen beobachte ich aber, dass sich dort ganz viele Meisen interessiert umsehen. Ob die sich erinnern und Hunger haben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.