Gärtnern, Wildtiere
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Es summt!

Biene auf Oreganoblüte

Kiesgärten sind ja in. Zwei Häuser weiter, zum Beispiel: Einmal rosamelierter Vorgarten, einmal ursprünglich knallweißer, jetzt vergrauter Kies. Vermutlich, um Arbeit zu sparen – aber Laub und Dreck sammeln sich trotzdem. Schön ist das nicht.

Gartenzeitschriften wie „Mein schöner Garten“ erklären, wie tote Steinwüste geht und bekommen 119 Facebook-Likes.

Ich sitz hingegen auf meiner Terrasse, kann beobachten, wie die Blattschneiderbiene einen der Blumenkästen als Nistplatz aussucht. Wie die Stieglitze den verblühten Rauen Löwenzahn im Nachbarsgarten gemütlich verputzen. Bestaune das Geschwirre um Oregano, Minze und Borretsch, die sich im Garten überall ausbreiten. Ich freue mich am Getummel im Mohn. Und freue mich über die Farben.

Mohn-Kornblumen-Kamillenwiese

Rot – blau – gelb- weiß. Leuchtende Mischung im Juni.

Welch winzige Wildbienen es gibt! Feldwespen holen sich in den bereitgestellten Tellern Wasser für Nestbau und Brutpflege. Im Kasten mit dem Verlängerungskabel hat sich ein recht friedliches Wespenvolk eingenistet. Vermutlich die Mittlere Wespe, sie macht mir nicht den Gefallen, mal ruhig den Kopf zu zeigen. Und bin jedesmal über die Lautstärke der zahlreichen Honigbienen im Wilden Wein erstaunt. Da geht’s aber ab!

Kleiner Kohlweißling auf Minzenblüte

Kleiner Kohlweißling auf einer Minzenblüte.

Biene beim Anflug zum blühenden Borretsch

Auf zum Borretsch! Er sät sich massenhaft selbst aus und sichert so lecker Nahrung für allerlei Bienen.

Wespennest

Sie gehören zur friedlicheren Spezies, die Wespen, die ihr Nest auf unserer Terrasse gebaut haben. Das Elektrokabel aus dem Kasten ist rausgenommen (dieser Vorgang ergab den einzigen Stich), sie haben nun ihre Ruhe.

Im Frühjahr flatterten Aurorafalter (auf der anderen Albseite wächst in Mengen Knoblauchsrauke. Neben dem Wiesenschaumkraut – das bei uns leider schnell dem Rasenmäher zum Opfer fällt – eine gute Wirtspflanze). Seit einiger Zeit sind die Zitronenfalter unterwegs und die Kohlweißlinge (auch wenn das Löcher im Kohl bedeutet). Rotbraune Ochsenaugen und Große Ochsenaugen flattern in Scharen. Das Rotbraune Ochsenauge steht sogar als „gefährdet“ (Kategorie 3) auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Ich entdecke Käfer, die mir vorher noch nie auffielen. Am blühenden Schnittsellerie Streifenwanzen. Am Eibisch Malvenwanzen. Die Meisen picken an Nachbars Pflaumen – ernten heißt teilen, und demnächst sind dann unsere Birnen dran (aber die werden eh Jahr für Jahr faul).

Rotbraunes Ochsenauge (Schmetterling) auf einer Minzenblüte

Ein Rotbraunes Ochsenauge (Pyronia tithonus) auf einer Minzenblüte.

Großes Ochsenauge (Schmetterling) auf Schafgarbe

Äußerlich sehr ähnlich: Das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) auf blühender Schafgarbe.

Großes Ochsenauge (Schmetterling) auf Taubenskabiosenblüte

Und noch einmal das Große Ochsenauge, der Rüssel wird gerade zum Naschen an der Tauben-Skabiose ausgerollt.

Löwenzahn und Wiesenschaumkraut, Gänseblümchen, Weißklee und Braunelle, scharfer Mauerpfeffer, Johanniskraut, Vogelwicke – es gibt schon einiges zu Futtern für Bienen, Hummeln, Vögel, bis Mäher und Hacke drüber sausen.

Ackerhummel an Klee

Eigentlich wollte ich den Klee gerade abschneiden, weil er so weit in den Weg ragte. Aber da kam die Ackerhummel und sicherte sich Besitzansprüche. Na gut.

Biene auf Braunelle

Barfuß laufen birgt die Gefahr des Stichs. Aber Bienen lieben eben Klee und Braunellen, die im „Rasen“ blühen.

Damit Pollen, Nektar und Samen kontinuierlicher werden, haben wir vor Frühlingsbeginn gebuddelt. Man muss ja nicht immer erst abwarten, bis auch mal in Ministeriumskreisen festgestellt wird, dass 80% der Insektenpopulation verschwunden ist… Wir haben viel Erde bewegt, Kies und Sand eingemischt, Wildblumensamen gesät. Drei verschiedene Mischungen, jeweils 1qm, geschützt mit Schneckenzaun und Körben gegen Schleimer, gefräßige Picker und ignorante Zwei- und Vierbeiner. „Knast“, wurde kommentiert. Aber es hat sich gelohnt.

Wildblumenecke

Blick auf die Wildblumenecke Anfang Juni.

Die Veitshöchheimer Bienenweide ins hinterste Quadrat zu säen erwies sich als weise, sehr weise, denn die darin enthaltenen Sonnenblumen und Malven wachsen doch recht hoch. Borretsch und Ringelblumen wurden riesig – trotz Sandzugabe sind noch ordentlich Nährstoffe in dem ehemaligen Rasen-/Weidenstück. Koriander duftet beim Zupfen unerwünschter Beikräuter, deren Samen in der Erde waren oder angeflogen wurden. Von den zwei- und mehrjährigen Pflanzen lassen sich schon einige erkennen, mal sehen, was durchkommt und nächstes Jahr blüht. Auf’s Herzgespann freue ich mich, auf noch mehr Margerite.

Die Wildblumenmischung für Wildbienen von Syringa ist da im ersten Jahr etwas feiner. Mohn, Kornblumen, Kamille, Flachs. Ich lerne, dass es eine „Kuhblume“ gibt. So ein hübsches Pflänzchen! Ich bestaune die kleinen Blütchen der Acker-Ringelblume; im Vergleich wirken Blüten der Garten-Ringelblume fast monsterhaft. Senf, muss ich gestehen, hab ich rausgezogen – über’s Vogelfutter hatte sich schon einiges davon ausgesät und er wird doch recht breit. Hab ich doch wider besseren Wissens vielvielviel zu dicht gesät und so wächst alles sehr eng (Mehltau, bleib ferne!).

bunte Wiese

Wildes Durcheinander. Die ersten Kornblumen sind schon verblüht.

Erst im Mai, nach den Eisheiligen, landete von der letzten Mischung in der Erde. Eine Schmetterlingswiese vom BUND. So verlängert sich die Hauptblüte noch ein bisschen und wir haben immer noch blühenden Mohn und Kornblumen neben den Malven und der Kamille. Und erstaunlicherweise blühen die eigentlich zweijährigen Königskerzen, Nachtkerzen und Wilden Möhren bereits jetzt.

Natternkopf, Ehrenpreis, Kamille, Kornblumen

Zwischen den Wiesenmischungen gepflanzter Ehrenpreis und Natternkopf.

Zwischen den Quadraten pflanzte ich Purpur-Königskerze, bald von der Raupe des Königskerzenmönchs entdeckt. Zwei Natternköpfe wurden aufgrund der Nährstoffe ebenfalls riesiger, als man ihn so vom Ackerrand kennt. Aber Natternkopf ist ein derartiger Magnet für Bienen, da kommt jede weitere Blüte recht. Ich setzte Ehrenpreis, Gamander, Wiesensalbei, Pechnelken, Witwenblume, Blutweiderich. Fetthenne für den Herbst. Das Tierchenhaus bekam eine Dachbegrünung mit Dachwurz und Gänsekresse.

Königskerzen-Mönch

Die Raupe des Königskerzen-Mönchs. Der Falter ist eher unscheinbar, da muss die Raupe eben klotzen.

Biene im Natternkopf

Pflanzempfehlung: Natternkopf. Bei zu guter Erde wird er zwar recht buschig, aber die Bienen! Die Bienen!

Es schwirrt, es summt und obwohl die Bienennisthilfen viel zu schattig sitzen, wird fleißig genistet.

Also ehrlich: Wer will da sterile Kieswüsten?

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