Gärtnern, Stadtgärtnern, Viechlein

Same procedure: Es blüht hier zu wenig, verflixt noch mal!

Krokusse

Es ist doch immer dasselbe: Winter gibt’s kaum noch, die Temperaturen ungewöhnlich hoch, die Sonne scheint, zwei, drei Frühjahrsblüher beginnen ihre Farbe in das triste Graubraun zu strecken, die ersten neugierigen Insektennasen kommen aus ihrem Winterquartier und ich denk: So ne Scheiße, hier blüht einfach zu wenig.

Schneeglöckchen

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Nektar und Pollen vor allem auch für Wildbienen

Da sind ein paar Krokusse, ein paar zögerliche Schneeglöckchen, der Winterling scheint offensichtlich das vergangene Jahr nicht überlebt zu haben, und ach guck, der Huflattich ist wohl angewachsen, zeigt aber auch nur zwei spärliche Blütchen.

Huflattich

Huflattich (Tussilago farfara), wichtige Nektar- und Pollenquelle für Bienen

Aber Hauptsache, der Zitronenfalter flattert schon mal rum, die ersten Hummeln – und was bitte, macht die Holzbiene denn jetzt schon hier? HIER BLÜHT DOCH QUASI NOCH NIX!

Einige warme Tage später ploppen die Krokusse, ploppen die Schneeglöckchen und zeigt der Winterling, dass er einfach nur etwas mehr Zeit brauchte, aber doch brav da ist und sogar ein bisschen seine Samen ausgebreitet hatte.

Winterlinge

Winterling (Eranthis hyemalis), mäßig Nektar, reichlich Pollen für die Bienen

In der etwas wärmeren Innenstadt kommen auch schon die Salweiden mit ihren Kätzchen, die Kornelkirsche strahlt gelb an der Alb entlang (die viiiiiel bessere Alternative zur Forsythie, die keinem Tier nutzt. Kornelkirsche ist ein wichtiger Frühblüher für die Bienen, die Früchte mögen nicht nur die Vögel, sie sind auch für uns essbar. In Österreich ist sie unter der Bezeichnung Dirndl bekannt und dort wird z.B. Marmelade daraus gekocht).

Kornelkirsche

Kornelkirsche (Cornus mas), Pollen und viel Nektar für die Bienen, Vogelschutz- und Vogelnährgehölz

Damit ich nächstes Jahr nicht schon wieder im Februar schimpfe, dass zu wenig blüht, kommt hier jetzt Erica carnea (Schneeheide) in die Bude. Wenn Strickler sie endlich mal wieder im Angebot hat. Ein winterblühendes Zwerggehölz, aus dem Gebirge stammend (mag also Kalkböden) und eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen. Und dann versuch ich es noch mal mit Christrosen. Da hatte ich vor drei Jahren wohl nen falschen Standort gewählt.
Aber ich weiß jetzt schon. Sobald die Krokusse verblüht sind und die Schneeglöckchen ruf ich abermals: „Verdammt! Hier blüht zu wenig!“


Anmerkung: Die Nennung und Verlinkung zur Kräuter- und Wildpflanzengärtnerei erfolgt aus ganz eigener Motivation. Baumarkt-, Gartencenter- oder gar Discounterware sind meist keine gute Sache für die Natur und die Umwelt. Oft enthalten diese Pflanzen Insektizide und/oder sie sind Züchtungen, deren Blüten für Bienen nutzlos geworden sind. Gärtnereien wie Strickler oder Gaissmayer sind Bioland-Gärtnereien. Die Pflanzen sind abgehärtet und langsam gezogen. Im Paket werden sie mittels Stroh bzw. Heu geschützt, das im Garten weiter verwendet werden kann.